Referat von LF Dr. Schmitt am 20.02.2006 zum Thema "Activities"

Liebe Gäste,

liebe Lionsfreunde,

als Activity-Beauftragter – zusammen mit LF Christian Dullinger, wurden wir gebeten, einige Worte über unsere sogenannten „Activities“ heute zu verlieren.

Auch wenn unsere heutige Zeit sehr auf Aktivität ausgerichtet ist, verstehen wir als Lions unter „Activities“ doch gemeinhin als etwas völlig anderes, wie ich Ihnen nun darstellen darf.

Wir nennen uns „Lions“ – Löwen, das entspricht ganz der angloamerikanischen Tradition, Clubs und Vereine nach Tieren zu benennen, schließlich wurde „Lions“ auch in den Vereinigten Staaten gegründet. Doch noch eine andere Wurzel verbindet uns mit der amerikanischen Tradition, einem Land, das sich eine aufklärerische Verfassung als Modellstaat einer neuen Weltgesellschaft gab  -  eine Tradition, welche ein Europa in dieser Selbstverständlichkeit nicht ganz denselben Stellenwert hat – nämlich die Tradition, einen Club oder Verein nicht nur auf einen Selbstzweck hin zu gründen, sondern ihn an einem anderen Ziel auszurichten, welches der Allgemeinheit  - dem Staat und seinen Bürgern – zu Gute kommt. Wie Sie wissen, ist Einsatz für seinen Staat, Einsatz für die Gemeinschaft, Wohltätigkeit für die Armen, in den USA nicht nur eine Randerscheinung Einzelner oder kleiner Gruppen, sondern gehört essentiell zum Selbstverständnis eines Bürgers, zum guten Ton, aber auch zu den nicht zu hinterfragenden Fundamenten. Wer seinen Staat quasi aus dem nichts baut, wer eine auf Pionierleistungen in wilder Landschaft beruhende Vergangenheit hat, wer auf die Selbstverantwortung des Bürgers im Sinne Kants und Rousseaus setzt, der diskutiert nicht über Nächstenhilfe, über seinen Beitrag zur Gemeinschaft, über seine Verantwortung als Bürger – der handelt, der hilft, der spendet.

So ist es auch zu verstehen, wenn LIONS als Akronym angesehen wird für „Liberty, Intelligence, Our Nations Safety“ – gute Staatsbürger sein, seinen Teil zur Gemeinschaft beitragen, Vorbild sein und Akteur im Staat.

In diesem Sinne verstehen wir „Activities“ – Aktivität als Staatsbürger, Einsatz für unsere Mitbürger, helfen, wo wir helfen können – nicht warten, bis wir um Hilfe gefragt werden, sondern suchen, wo wir helfen können.

  „Lions“ ist ein „Service-Club“, der weltweit größte. Auch „Service“ ist heutzutage ein vielgebrauchtes Wort – wir verstehen es im ursprünglichen Sinn: Dienst.

Wir wollen helfen – dort, wo der Staat, wo die Kirche nicht helfen, vielleicht auch zunehmend nicht helfen können. Wir wollen im Einzelfall helfen, nicht im Allgemeinen. Wir legen Wert auf einen persönlichen Bezug.

Vielleicht ist Ihnen bekannt, dass Lions schon kurz nach ihrer Gründung besonderes Engagement für die Blindenhilfe aufgenommen haben: Bereits 1929 sorgten sich über 140 Clubs um die Augenbehandlung Bedürftiger, Rehabilitation von Blinden, Herstellung von Braille-Geräten. 1930 machte ein Lions-Clubpräsident – G. Bonham sein Name – den „weissen Stock“ zum Kennzeichen blinder Fußgänger, was bis 1950 in allen US-Bundesstaaten übernommen wurde. 1939 eröffneten Lions die erste Schule für Blindenhunde, 1940 halfen Lions, die erste Augenbank der Welt zu gründen. Lions bilden Augenärzte auch noch heute in Drittweltländern aus, welche sich verpflichten müssen, eine Reihe von Jahren in diesen Ländern als Augenärzte zu arbeiten. Lions stellt ihnen Medikamente und Geräte zur Verfügung, baut Krankenhäuser. Diese Aktivitäten laufen bei Lions unter der Bezeichnung „Sight first“. 40 Millionen Menschen sind weltweit blind, 90% der Blinden leben in Entwicklungsländern, 80% davon bräuchten nicht blind zu sein: Ihre Erblindung hätte verhindert werden können, oder sie könnte geheilt werden.

Lions ermöglichen pro Jahr

-          ca. 25 000 Hornhautübertragungen

-          1 Million Staroperationen

-          sind an 80% der Augenbanken beteiligt

-          unterhalten hunderte von Lions-eigenen Augenstationen und Augenkrankenhäusern

-          betreiben zwei Augenforschungsinstitute von weltweitem Ruf

Die Lions-Activity „Sight first“ hat seit Bestehen den Sehverlust bei 24 Millionen Menschen ver­hindert und bei 4,6 Millionen das Sehvermögen durch Kataraktoperationen wiederhergestellt.

„Lions“ haben in Deutschland ein „Hilfswerk der Lions“, einen gemeinnützigen Verein. Auch viele einzelne Clubs, so auch wir, haben ein eigenes „Hilfswerk“, einen eigenen gemeinnützigen Verein, der es uns erlaubt, sehr gezielt zu helfen. Jedes Mitglied unseres Clubs ist zugleich auch Mitglied in diesem Hilfswerk.

Dieses Hilfswerk bzw. diese Hilfswerke sind als gemeinnützige Vereine deshalb von besonderer Bedeutung bei Lions, weil wir einen besonderen Schwerpunkt darin sehen, Hilfe und Unterstützung zu organisieren, d.h. nicht nur unsere Eigenmittel als Mitglieder einzubringen, sondern diese dazu zu verwenden, noch größere Mittel zu generieren. Auch im Besonderen durch unsere eigene Tatkraft. Darin haben wir – vielleicht im Unterschied zu anderen Service-Clubs – unsere Spezialität.

Unsere „Activities“ zerfallen daher in drei Arten:

Zum ersten die sogenannten „Beschaffungs-Activities“, also jene, mit denen wir Gelder generieren. Beispielsweise veranstalten wir regelmäßig bei der Ottobrunner Gewerbeschau eine Tombola; die Preise stellen wir zum geringeren Teil aus Eigenmittel, zum größeren Teil aus „Spenden-Akquisitionen“ zur Verfügung, d.h., wir bitten bei Bekannten, Firmen, Kunden um Geld- oder Sachspenden für die Tombola. Mit diesen Mitteln führen wir die Tombola dann durch, wir als Lions stehen zwei Tage lang vor dem Rathaus und verkaufen Lose für die Tombola. Dadurch können wir die eingeworbenen Mittel nochmals vermehren. Eine ähnliche Tombola veranstalten wir traditionsgemäß alljährlich bei einem eigens von uns organisierten Lions-Golf-Turnier. Wir veranstalten in ähnlicher Weise Wohltätigkeits-Konzerte, bei denen wir Spenden einwerben, die wir über den Eintrittskarten-Verkauf vermehren. Natürlich haben wir auch Spenden aus den eigenen Reihen, manch einer bittet anlässlich seiner Geburtstagsfeier statt Geschenken um eine Spende, und es fordert immer wieder unsere Phantasie heraus, wie wir in den Beschaffungs-Activities Geld auftreiben und vermehren können.

Die zweite Art von Activities sind dann die sogenannten Spenden-Activities. Hier geben wir das eingeworbene Geld wieder aus. In der Satzung unseres eigenen Hilfswerkes haben wir uns ganz bewusst darauf beschränkt, nur an  Kinder, Jugendliche und bedürftige ältere Menschen aus Ottobrunn und dem Umkreis zu spenden. Wie ich eingangs schon sagte, legen wir Wert auf einen gewissen Bezug zu denjenigen, an die wir Spenden.

Ein Schwerpunkt bildet dabei das Clemens-Maria-Kinderheim in Putzbrunn, ein Heim für Sozialwaisen aus  zum Teil übelsten elterlicher Situationen, ich möchte hier nicht näher in die Details gehen, aber es ist erschreckend, wie viele solcher Kinder es hier gibt. Das Heim wird von einer Ordensschwester geführt und natürlich von der Kirche und der Gemeinde unterstützt; aber die Unterstützungen werden immer weniger, die Anzahl der aufzunehmenden Kinder immer mehr. Hier haben wir schon viel gespendet für einen neuen Spielplatz, für einzelne Räume, für einen Bus, für viele Einzelmaßnahmen.

Überhaupt haben wir bisher insgesamt vier Busse und zwei PKW ganz oder zu erheblichem Teil an unterschiedliche gemeinnützige Vereins gespendet, für die Altenversorgung, zum Transport Behinderter. Wenn Sie darauf achten, können Sie ab und zu im Süden Busse mit dem Lions-Logo fahren sehen.

Wir spenden aber einen Teil unseres Geldes auch an eine Vielzahl einzelner Empfänger - im Rahmen von Einzelspenden, über die immer wieder neu befunden wird, beispielsweise für den Ottobrunner Hospizverein, den weißen Ring, für Kindergärten, die Heilpädagogische Tagesstätte, für eine Kinderkrippe, die Lebenshilfe Unterhaching, Mütter in Not, für medizinische Prothesen einzelner Kinder in besonderen Fällen, für Geräte zur Früherkennung von Krankheiten bei Kindern oder beispielsweise ein Nothallgerät für die Unfallhilfe, und viele andere Beispiele.

Eine besonders zu erwähnende Activity wird durch unsere Ehefrauen geleistet, die alljährlich für ca. 30 stark bedürftige Bürger aus Ottobrunn und Umgebung Weihnachtspakete packen, jeweils individuell auf die Beschenkten hin zugeschnitten. Pakete mit Lebensmitteln wie Kaffee, Butter, Schinken, mit Bedarfsmitteln des Alltags, die wir selbst gar nicht mehr wahrnehmen, aber für manche Mitbürger von großem Wert sind. Und auch die Tatsache, dass wir nicht einfach Geld schenken, sondern uns die Mühe machen, jedem einzelnen – wie gesagt einzeln auf ihn abgestimmt – zu Weihnachten ein Paket zu packen, schenkt noch etwas mehr, was über den materiellen Wert hinausgeht. Die Briefe, die bei uns eingehen, sprechen viel über Dankbarkeit und über die Situation, in denen sich manche befinden.

Wir beteiligen uns aber auch, wenngleich nicht als Schwerpunkt, an den Hilfsprojekten unserer Lions-Dachorganisation, beispielsweise durch regelmäßige Zahlungen an das bereits erwähnt Programm Sight First, oder Patenschaften für Schulklassen im Rahmen des Programmes Klasse 2000, bei welchem mit unseren Geldern kontinuierlich über mehrere Jahre bzw. Klassen Vorsorge gegen Drogenmissbrauch von Kindern und Jugendlichen betrieben wird.

Über Spenden aus unserem Hilfswerk bis zu einem Betrag von 500 Euro kann der Präsident alleine entscheiden, größere Spenden erfordern die Zustimmung des Clubs.

 Unser Spenden-Volumen beträgt jährlich  ca. 25-30 T Euro, also ein Vielfaches dessen, was wir als einfache spendende Mitglieder zu leisten im Stande wären. Unser Club besteht seit nunmehr 22 Jahren – Sie können selbst hochrechnen, welche Summe wir so etwa in unserer Clubgeschichte gespendet haben.

Nun gibt es aber noch eine dritte Art von Activities, die mir persönlich besonders am Herzen liegen, und das sind unsere sogenannten Direkt-Activities. Das sind solche, die nicht  auf Geld- oder Sachspenden abzielen, sondern in denen wir durch unsere Tätigkeit selbst direkt helfen, und mit den Menschen, denen wir helfen, in engen Kontakt treten. Wir gehen mit Kindern des Kinderheims ins Fußballstadion oder in den Zoo, wir reparieren mit den Kinderheimkindern zusammen deren Fahrräder im Frühjahr, wir machen Wanderungen und Schlittenfahrten mit den Kindern; zusammen und gesponsort von unserer Hausherrin in diesem Hause, Frau Kaffler, der Besitzerin des Limmerhofs, bedienen wir Kinder des Kinderheims einige Tage nach Weihnachten bei einem Weihnachtsessen, das vom Limmerhof bezahlt wird; dies insbesondere für diejenigen Kinder, die an Weihnachten nicht zu ihren Eltern dürfen (und dies liegt nicht an den Kindern, dass sie an Weihnachten nicht nach Hause dürfen !).Das waren letzte Weihnachten immerhin etwa 50 Kinder, die hier eingeladen werden ! Wir veranstalten alljährlich eine Berufsberatung für die Schüler der Realschule Neubiberg mit Vertretern aus über 25 Berufen, und vieles, vieles mehr.

Diese Direkt-Activities haben nun zwei sehr wertvolle Effekte: Zum einen helfen wir durch unsere Person, auf eine Weise, wie sie nur schwer ersetzt werden kann. Lassen Sie mich das am Beispiel der Fahrrad-Reparatur erläutern: Wir arbeiten MIT den Kindern, fördern deren Eigenverantwortung, schaffen in gemeinsamer Arbeit auch Gemeinschaft, nehmen sie als Person ernst. Die Kinder lernen Erwachsene in ganz anderer Art  kennen, als die Erzieher des Heims. Schwester Gabriele sagte uns, und das verblüffte uns selbst, den Kindern habe gefallen, „mal mit richtigen Männern etwas zu machen, nicht nur mit den Erziehern“. Für viele Kinder ist das Vaterbild mit traumatischen Erfahrungen behaftet, manchen sieht man es direkt an, wir können vielleicht ein bisschen helfen, wieder Vertrauen in Erwachsene zu bilden.

Der zweite Effekt der Direkt-Activities ist ein nicht uneigennütziger, einer, der uns selbst hilft: Wir werden selbst vielleicht etwas bescheidener, können die Dinge, die unseren Alltag zu dominieren scheinen, wieder etwas besser einordnen, wieder besser erkennen, worauf es ankommt und wonach wir uns orientieren können.

Diese Anstöße zur Rückerlangung eigener Bescheidenheit sind heute ansonsten nur schwer zu bekommen und tuen uns allen gut – sind eine gute Basis für unsere Gemeinschaft, für unsere Aufgaben in Staat und Gesellschaft, für weiteres Dienen.